Roboter – Digitales Besenspiel (oder auch nicht)

Hatte ich es schon erwähnt? Nachdem ich um des lieben Friedens Willen auf ein Digital-Set umsatteln durfte, hat sich das Besenspiel erledigt. Nicht bloß, weil das Set sehr leise ist, sondern auch, weil das Soundmodul – ein Roland TD-17 – kein Besenspiel erkennt. Und das ist noch lange nicht alles, was es nicht kann.

Ehrlich gestanden wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass ich so etwas beim Verkaufsgespräch explizit hätte nachfragen müssen: „Kann das Set auch Besen?“ Und wenn ich erwähne, dass ich lange Jahre getrommelt habe und von E-Drums nicht viel weiß, hätte ich erwartet, dass ein Verkäufer von sich aus für etwas Transparenz sorgt.

Hat der Verkäufer aber nicht. Der hat vermutlich ein innerliches Feuerwerk abgebrannt, weil der Trottel auf dem Hocker so herrlich gar nichts weiß und man ihm alles aufschwatzen kann. Und so gab es nicht bloß Sonor-Kessel mit Chinabeschlägen und gleichwertiger Hardware (irgendwo muss der Hersteller ja sparen, um ein Geschäft zu machen). Es gab auch keine Informationen – bzw. zu wenige.

Denn das TD-17 erkennt auch keine Schlagposition auf dem Snarefell (geschweige denn auf einem anderen Trommel). Das kann erst das TD-20, das – wie ich inzwischen aus diversen Foren weiß – nicht sonderlich toll klingt.

Und nicht allein das Modul ist eine Spaß-Bremse, wenn sich der Kern der perkussiven Tätigkeit nicht auf bloßes Rumholzen beschränken soll, sondern sich eher auf der filigranen Klangpirsch sieht. Damit is aber nix mit digital.

Denn 0 und 1 sind nur zu dem fähig, zu dem sie vorab befähigt wurden. Und leidlich rund wird die Sache erst bei Modulen im 2000-Euro Bereich. Und mit Becken-Modellen, die erst noch erfunden werden müssen. Weil?

Aktuell können die hängenden Gummilappen nur Kante und Fläche – abhängig von der Belegung im Soundmodul zumeist für Crash (Kante) und Ride (Fläche). Besonders leistungsfähige Becken (nicht lachen jetzt!) können auch noch Kuppe (auf der Kuppe, ja wirklich!) und haben dafür sogar einen zweiten Trigger eingebaut.

Wobei ich ja noch gar nicht erwähnt hatte, das die meisten Besen sowieso nicht mit Mesh-Fellen gespielt werden können, weil ihre Drähte oder Kunststofffasern in dem Netzgewebe verhaken (s. Foto oben).

Und das alles ist, mit Verlaub, verdammt demotivierend, zumal das Klang-Ensemble für die Kopfhörer mit Pedalen und Sitz sechs sehr große Scheine im Kassenschlund des Ladens verschwinden ließ. Und dafür kann ich stolz ein Elite-E-Drum vorzeigen, das nicht die Hälfte eines mäßigen Anfänger-Schlagzeugs kann. Und das in dem Wissen, was für ein Akustik-Set ich für das Geld bekommen hätte.

Die Konsequenz wird also sein, dass drum-tec Pro als teures Practice-Set zu sehen und als Schießbude für alles, was mit ein paar rhythmischen Absonderungen auskommt – Rock, Pop, Funk, Heavy-Krimskrams. wahlweise mit dem Klang eines akustischen, eines elektronische oder eines besoffenen Drum-Sets (TD-17, Sound „Bottle“).

Für alles, das auch mal diffizile, feine Klänge zugespielt haben möchte, wird es am Ende doch wieder eine akustisches Set sein müssen.

Und sicherlich werden.

 

PS: Die Roboter ist ein Lied der Elektro-Pop-Pioniere Kraftwerk, zuerst veröffentlicht auf dem Album Die Mensch-Maschine von 1978.



Abbildungen: Flamadiddle



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