Simply The Best – Practice Pad Sticks im Test

Als ich Anfang des Jahres wieder zu Trommeln begann, holte ich meine alten Weggefährten aus der Versenkung – ein Paar Vic Firth SD 1 General. Die gibt es heute noch immer, aber das störte mich nicht – ich hatte sie ja schon. Allerdings rutschten sie in den ungeübten Händen wild herum und Handschuhe waren nur bedingt eine Lösung. Und sie klangen auch nicht gleich. Und wogen nicht dasselbe. Und überhaupt… – das Unterbewusstsein hegte gelinde Zweifel am Optimum dieser Lösung und sondierte als stiller Wegbegleiter meiner Tage das Potenzial für Verbesserungen.

Auf der Suche nach einem Schlagzeug stieß ich dann in der Bucht zufällig auf einen vielversprechenden Ausweg: Dom Famularos Pad Stick von ProMark. Ich habe mir das Paar direkt geschnappt, aber mit dem Erfolg kam die nächste Frage: Was, wenn die kaputt sind? Denn neu gibt es die Sticks nicht mehr zu kaufen…

Die Lösung ist so einfach wie genial: Weitersuchen. Und die Weitersuche bei den üblichen Verdächtigen rund um Fragen des Geldverlusts für Lustgewinn lieferte Antworten zu Hauf. Nur führte leider keine von ihnen zu mehr Klarheit.

Also habe ich mir ein paar Hersteller rausgesucht, sie angeschrieben und Practice Sticks zum Testen bekommen. Diese stelle ich in alphabetischer Reihenfolge vor. Es sind:

  • Agner Pad-stick Hornbeam
  • Agner R1 Hornbeam Rubber Tip
  • Agner The Hammer US Hickory
  • Ahead M1CX White Marching Drumstick
  • ProMark Scott Johnson Scojo Hickory Practice Drumsticks
  • Rohmea Pad Stick Hard Maple
  • Rohema RAC
  • Vic Firth SD 1 General Maple
  • Vic Firth SRH2CO Corpsmaster Ralph Hardimon Chop-Out Practice Stick

Um die ein oder andere Aussage, die im Zuge meines Beschreibung folgen wird, transparenter zu machen, werde ich meine bisherigen Alltagsbegleiter – die Vic Firth SD1 General und die ProMark Dom’s Pad Sticks – vorab in der selben Weise vorstellen. So ist die Referenz etwas transparenter, hoffe ich. Außerdem ein paar Worte zum verwendeten Practice Pad und zu Sticks allgemein.

 

Vorab 1: Die Klopf-Basis

Noch eine Notiz vorab: Als Practice-Pad verwende ich durchgängig ein 12″ Evans-Pad, das mir D’Addario Deutschland freundlicher Weise für diesen Test zur Verfügung gestellt hat.

Hintergrund ist, dass sich mein bisheriges Pad auf Grund schlampiger Fertigung als ungeeignet für einen aussagefähigen Vergleich erwies (hier ein paar Details). Das Pad von Evans gehört dagegen zu den Standard-Pads, und das nicht ohne Grund. Damit sollte es eine Basis darstellen, die er erlaubt, meine Aussagen leichter nachzuvollziehen und die Ergebnisse zu überprüfen. 

 

Vorab 2: Vokabeln gucken

Wenn das Thema Drum-Sticks heißt, sind einige Wörter wichtig, um zu verstehen, worum es gerade geht. Darum habe ich eine kleine Grafik gebastelt und versucht, deutlich zu machen, was genau gemeint ist, wenn von Tip, Taper, Shoulder und Co. die Rede ist – also die englischen Vokabeln zur Beschreibung gewählt sind. Und so sieht das aus:

 

Parallel dazu gibt es natürlich auch eine deutsche Variante der Stock-Ergonomie , in der das Schlagholz auf Kopf, Schulter und Schaft reduziert ist. Dabei bildet die Schulter den Bereich ab, der hier von Neck über Taper bis Shoulder reicht. Und das Butt-End? Das ist einfach da, wo es der Schaft geschafft hat, zu enden.

 

Wo wir schon dabei sind, drollige Grafiken zu gucken, können wir gleich noch die Kopfformen der Sticks durch-deklinieren, damit auch hier keine Irritationen entstehen. Die am häufigsten zu findenden Spitzen bei Drum-Sticks sind diese hier, wobei die genaue Zuordnung bei manchen Modellen dank der Variabilität der Fräsen fließend ist:

 

Nachdem jetzt alles wesentliche einmal illustriert ist, wenden wir uns den Schlaghölzern zu – was nicht ganz korrekt ist, da Ahead seine Sticks aus Aluminium und Kunststoff fertigt. Der Einfachheit Halber erkläre ich sie für die folgenden Zeilen zu Hölzchen ehrenhalber. Es möge mir verziehen sein.

 

Vorab 3: Vic Firth SD 1 General (1990)

Vic Firth ist ein recht alter Name im Stock-Business und eigentlich gar kein Stock-Name, sondern der Spitzname, unter dem Everett Joseph Firth bekannt war. Firth war von 1956 bis 2002 Schlagwerker beim Boston Symphony Orchestra. Und er war mit der Qualität früher Drumsticks so unzufrieden, dass er 1963 unter die Hersteller ging. Der Rest ist Geschichte:

Ein Drechsler aus Montreal fertigte die ersten SD1 und SD2, die sehr schnell bei Firth’s Trommel-Schülern beliebt wurden. Das wiederum zog Kreise, und dieses Word-of-Mouth-Marketing sicherte schon in den 1960-ern dem erfolgreichen Perkussionisten einen erfolgreichen Nebenerwerb als Unternehmer. Die Firma Vic Firth Drumsticks fusionierte schließlich 2010 mit Zildjian, ähnlich wie ProMark von D’Addario gekauft wurde. Aber zurück zu meinen altern SD1 General.

Die General gibt es auch heute noch, und noch immer sind sie aus Ahorn. Das Paar, das ich mir kurz nach meinen ersten Schlägen auf die Felle meines Yamaha 7000 gekauft habe, lebt gleichfalls noch, was einen direkten Vergleich alt gegen jung erlaubt.

Eins ist heute besser: Trotz des Slogans „A Matching Pair“, der schon 1990 galt, klingen die alten Sticks nicht identisch und sind auch nicht gleich schwer: 52 und 63 Gramm bringen sie auf die Digitalwaage. Woran das liegt? Vielleicht an dem Umstand, dass in der Musikalienhandlung, in der ich sie erwarb, selber gematcht werden durfte und ich gematscht habe? Wer weiß. Ist auch egal – real friendship lasts forever.

Wenn ich heute die SD1 in die Hand nehme, dann, um ab und an einen anderen Impuls als den der annähernd täglichen Übungsbegleiter zu haben, die gleich folgen.

Mit 41,6 cm Länge und einem kurzen Taper haben die SD1 General einen verhaltenen und kontrollierbaren Rebound.  Und durch ihr Gewicht machen sie ein bisschen Arbeit – das, was ich mir wünsche, um meine Muskeln zu trainieren und langsam zum Ziel zu kommen.

Was ich den SD1 auch ab und zu antue ist, sie umzudrehen und mit dem dicken Ende zu trommeln, denn wo kein Kopf abbrechen kann fällt der kräftige Hieb aufs Pad leichter. Und eben das finde ich im Kontext des Krafttrainings nicht so verkehrt.

 

Vorab 4: ProMark Dom’s Pad Sticks (Ahorn)

Dom’s Pad Sticks von ProMark habe ich mir in der Bucht geschnappt, weil ich mir dachte: Wenn Dom Famularo als einer der wichtigsten Drum-Lehrer der USA, der seine Ahnenreihe in direkter Linie über seine eigenen Drum-Lehrer von

  1. Billy Gladstone über Ted Reed
  2. George Lawrence Stone über Joe Morello UND
  3. Sanford Moeller über Jim Chapin

herleitet, wenn so ein wohl-gelehrter Drum-Lehrer einen Übungsstock entwickelt, dann kann der Stock nicht ganz doof sein.

Tatsächlich muss ich sagen, dass mir Dom’s Pad Stick das Üben erst richtig schmackhaft gemacht hat. Das hat mehrere Gründe: Zum einen ist sein Durchmesser von 17,1 mm ordentlich. Sein Kugel-Kopf hat einen sehr verlässlichen Rebound, dazu ist der Stock recht munter. Und er ist mit ActiveGrip, ProMarks Anti-Rutsch-Belag, beschichtet. Der fühlt sich zwar beim Erstkontakt komisch klebrig an, doch weicht das Gefühl mit der Gewöhnung, was um so leichter fiel, als ich mich schlagartig viel sicherer mit dem Stock fühlte und endlich die linke Hand nicht mehr so klammerte.

Nun könnte ich getrost behaupten, dass Famularos Pad-Sticks eigentlich alles sind, was ich brauche, aber so ganz stimmt das auch wieder nicht. Denn Ahorn ist nicht gerade schwer – meine Sticks bringen 57 und 59 Gramm auf die Waage, was nebenbei offenbart, dass auch dieses Paar leider nicht gleich-gewichtig ist und daher unterschiedliche klingt.

Außerdem würde ich manchmal etwas mehr Gewicht bevorzugen, denn es zwingt, langsam zu bleiben, während das Kraft-Training am Pad zugleich das Handling der Hainbuchen-5A am Set mit Tempozuwachs belohnt.

Und ich möchte mich nicht gerne auf Bequemlichkeits-Scheuklappen festnageln. Schließlich ist praktisch jeder Stock ein Spezialist für einen bestimmten Bereich des Übens oder Spielens, weshalb andere Bereiche unbesetzt bleiben.

Und womit sich diese Lücken bei der Pad-Massage füllen lassen und was als Ersatz für die Pad Sticks im Markt zu finden ist, folgt hier:

 

Agner Pad-stick Hornbeam

Agner ist ein Schweizer Hersteller von Drumsticks. Gegründet wurde das Unternehmen 1983, nachdem ein Bekannter zu Paul J. Agner sagte: „Du hast doch eine Drehbank. Kannst du Trommelstöcke machen?“ Einen Versuch war es offenbar wert, und der mündete in die Unternehmensgründung zwei Jahre später. Seit dem erweitert Agner stetig sein Sortiment und hatte unter anderem schon Jojo Mayer als Endorser unter Vertrag.

Alphabetisch geordnet kommt als erstes der Agner Pad-stick zum Zug. Er sieht auf den ersten Blick wie ein Zwilling der Famularo-Übehölzchen und deren Rohmea-Kollegen aus, aber das gilt nur optisch. Die Schweizer Sticks sind nämlich nicht aus Ahorn, sondern aus der festeren und schwereren Hain- oder Weißbuche gefertigt. Sie bringen damit 72 Gramm auf die Waage – das sind etwa 14 Gramm mehr als die dedizierten Practice-Sticks aus Ahorn von ProMark und 10 Gramm mehr als die von Rohema.

Als weiterer Unterschied ist der Neck, also der Übergang vom Kopf in den Taper, beim Agner Pad-stick dicker als bei den beiden anderen Kugelkopf-Kollegen. Ihr Taper ist etwa 1 cm kürzer und ihr Butt-End ist flach. Abgesehen von diesen drei Unterschieden gehen die Agner trotzdem problemlos als einer der dreieiigen Pad-Stick-Drillinge durch.

Mit Blick auf das hohe Gewicht und den kürzeren Taper könnte man meinen, der Rebound des Agner Pad-stick sei deutlich geringer als der von ProMarks und Rohemas Varianten zum Thema, doch stimmt das nicht. Das Spielgefühl des Trios ist sehr ähnlich und die Agner machen hier eine sehr gute Figur.

Die Lackierung der Agner vermittelt ein natürliches und berechenbares Spielgefühl. Sie hängen nicht an den Fingern fest, sind aber auch nicht so glatt, dass der etwas schwerere Kugelkopf spontan auf Wanderschaft geht. Er lässt sich in der Tat recht entspannt auf dem Pad spielen.

Das höheres Gewicht macht den Agner Pad-stick dafür ein Stückchen weit zum Mittler zwischen den leichten Ahorn-Practice-Sticks und den sehr schweren Gummikopf-Kollegen mit Signaturen von Scott Johnson und Ralph Hardimon, die weiter unten folgen.

Der Agner verhält sich über alle Bereiche betrachtet ganz klar als Pad-Stick: verlässlich, solide, kontrolliert, agil und somit spielfreudig. Das leichte Gewichts-Plus fordert die Muskulatur dabei etwas mehr. In Summe also ein schöner Übe-Stock.

 

Agner R1 Hornbeam Rubber Tip

Der Agner R1 ist eigentlich ein Marching Stick, der sich in zwei kleinen Details von anderen Marchings Sticks und auch den meisten Practice Sticks unterscheidet:

Detail 1 ist sein Kopf. Er ist nicht aus Vollholz, sondern aus roten Gummi. Allein das war schon ein Grund, ihn zu bestellen – mir gefällt das Rot. Dazu ist anzunehmen, dass ein Stock mit Gummikopf leiser als einer mit Holzkopf ist. Und dass der R1 vielleicht auch ohne Practice-Pad auf beliebiger Oberfläche gespielt werden kann. Mal sehen.

Detail 2 ist seine Form – der R1 wird von vorne bis hinten immer dicker und ist am Ende nicht gerundet, sondern flach. Er steht zwar trotzdem nicht aufrecht auf dem Pad, aber ungewöhnlich ist diese Gestaltung als Quasi-Voll-Taper schon.

Gefertigt hat Agner seinen R1 wie den Pad-stick aus Weißbuche (ein anderer Name für Hainbuche). Er ist damit per se schwerer als Sticks aus Ahorn. Dazu kommt, dass er mit einem Schaftdurchmesser von 19,1 cm der kräftigste Kandidat im Feld ist. Dicker gibt’s nicht.

Der dicke Durchmesser erweist sich als recht charmant und entspannt überraschender Weise die Hand. Umfang und Gewicht signalisieren dem Unterbewusstsein scheinbar eine gewisse Trägheit, so dass die Panik-Klammer nicht sofort zuschnappt. Die ersten Stockschläge fallen entsprechend angenehm locker aus.

Der Rebound ist – dank Gummikopf? dank Formgebung? dank beidem? –  vergleichbar mit dem Pad-stick des Herstellers und für Übungszwecke gut geeignet. Allerdings sollte man sich von dem roten Gummi nicht verführen lassen, auf Tischen und Bänken zu plänkeln. Das ist nämlich tendenziell laut und dann ist da ja auch noch die Frage, ob Farbe und/oder Material nicht nach einer Weile Abriebspuren auf der gewählten Oberfläche hinterlassen. Ich habe es, Lärm sei dank, nicht so lange ausprobiert, bis etwas passierte.

Was bei höherem Tempo auffällt: Dadurch, dass sich der Stock nach hinten immer weiter weitet, wandert er nicht so leicht aus der Balance. So weilt die Hand verlässlicher am Sweet-Spot und kann den optimalen Punkt für maximalem Rebound besser kontrollieren. Zugleich erleichtert der größere Umfang am Heck dem kleinen Finger, mitzuspielen. Beides ist charmant.

Und die Lackierung des R1? Sie ist identisch mit der des Agner Pad-sticks und spielt sich entsprechend entspannt. In Summe also auch ein guter Practice-Stick.

 

Agner The Hammer US Hickory

Der The Hammer von Agner macht beidseitig das, wofür ich meine alten SD 1 General gelegentlich umgedreht habe: Ein massives Rundholz an beiden Enden, mit denen sich enthemmt auf das Pad eindreschen lässt, ohne dass einen die Sorge umtreibt, gleich von fliegenden Köpfen attackiert zu werden.

Was die Agner The Hammer zudem für diese Tätigkeit geeignet erscheinen lässt ist, dass er aus Hickory gefertigt wird – übrigens eine Baumart aus der Familie der Walnuss-Gehölze. Hickory ist nicht bloß schwerer als Ahorn, es ist vor allem belast- und haltbarer, was den Menschen freut. Auf der anderen Seite ist es auch nicht so schwer wie Eisenholz oder andere stabile Baumreste – es bietet somit den optimalen Kompromiss zwischen Gewicht und Quälbarkeit.

In der Praxis erweisen sich die The Hammer durchaus als Hammer. Zum einen im Sinne des „das ist ja der Hammer“, denn sie bringen gewaltig viel Wumms auf das Gummi, wobei ihr Rebound trotz ihrer kopf- und taperfreien Formgebung nicht so verhalten ausfällt, wie von der Theorie prognostiziert. Tatsächlich ersparen sie den Handgelenken einiges an Hubarbeit, wenn auch nicht so viel wie klassische gedrechselte Schlaghölzer.

Durch die design-bedingte Kopfschwere ist es allerdings etwas schwerer, die The Hammer an der Wanderschaft in der Hand zu hindern – es zieht sie bei forciertem Tempo und/oder kräftiger Spielweise förmlich nach vorn. Da will Rasanz geübt sein – oder der Stock mit Tape oder Wachs eingebremst werden.

Gut geeignet scheinen die Agner The Hammer, um Kraft und Kontrolle zu trainieren. Ihr Spielverhalten ist das eines Stockes, aber der reduzierter Rebound, das höhere Gewicht und die horizontale Mobilität fordern auf eine Weise, die sich andere Sticks nicht erlauben.

Was sich übrigens auch gut mit ihnen üben lässt – auch wenn sie dafür vermutlich gar nicht gemacht wurden – sind Stick-Tricks, denn man kann sie nicht falsch herum fangen. Das reduziert die Anforderung um einen zentralen Aspekt, was gerade dem Anfänger entgegen kommen sollte: Man muss sie nur noch „überhaupt“ fangen und nicht mehr mit dem Tip nach vorn.

 

Ahead M1CX White Marching Drumstick

Nein, er ist nicht aus Holz. Wie die übrigen Sticks von Ahead auch ist der M1CX White Marching Stick eine Kombination aus Aluminium-Kern und Kunststoffhülse. Was laut Hersteller eine Reihe von Vorteilen hat, zum Beispiel, dass die Sticks immer exakt das selbe Gewicht haben. Im Fall des M1CX sind das 88 Gramm. Damit haben sie, so Ahed weiter, auch immer den gleichen Klang – statt „A Machting Pair“ also „A Matching Production“.

Ein Blick auf die Waage sagt: Stimmt. 88 Gramm. Und gleich schwer Der Klopftest auf dem definierten Punkt der Tischplatte bestätigt zudem: gleicher Klang. Sehr gleich.

Puristen werden jetzt natürlich reklamieren, dass ihnen keinesfalls ein Alu-Kunststoff-Mix auf ihre geschätzten Plastikfelle kommt. Aber hier geht es ums Üben und das auf einem Gummipad, also wird der Versuch so schlimm nicht sein. Und dann ist da ja auch noch der Aspekt Gesundheit. Dazu später noch ein paar Worte.

Im Aufbau sind die Ahead M1CX White Marching Drumsticks denkbar anders als andere Sticks: Ihr Aluminium-Body bildet den Griff bis ungefähr zur Mitte des Sticks und verjüngt sich danach zum Kern, auf den die Kunststoffhülle geschoben wird, die zum Kopf hin schmaler wird.

Der Kopf ist gleichfalls aus Kunststoff gefertigt und aufgeschraubt, und zwar so fest, dass er sich mit der bloßen Hand nicht lösen ließ. Darum ließen sich die vom deutschen Importeur Musik Wein mitgeschickten Filzschlegel-Köpfe auch nicht testweise montieren, ohne die von Ahead in einer Anleitung empfohlene Zange zu bemühen. Das habe ich vorerst unterlassen, da die Köpfe noch für den Test gebraucht werden. Vielleicht probiere ich es nach dem Test und kleide die Zange mit Stoff oder etwas Pappe aus…

Das Ende vom Ahead-Stock ist ebenfalls aus Kunststoff und durch eine Stanzung mit der Hülse fest verbunden. Wir halten also eine ganz andere Art von Werkzeug in den Händen. Und in diesen erweisen sich die Ahead M1CX erwartungsgemäß schon auf den ersten Schlag als eigen. Das hat mehrere Gründe:

  • sie singen nicht wie Holzsticks
  • sie vibrieren nicht wie Holzsticks
  • sie federn steifer als Holzsticks
  • sie haben mehr Impact als Holzsticks

Die Ahead M1CX sind knochentrocken. Damit sind sie aber auch unbestechlich. Was Holzsticks mit ihrem natürlichen Rebound in Teilen charmant wegfedern und kaschieren, legen die Ahead gnadenlos offen: Die linke Hand hält den Stock eine Spur lockerer? Schon klackert er mehr. Die rechte Hand spielt leicht neben dem Zentrum? Sofort ist der Ton anders, und das deutlich.

Die Alusticks sie außerdem nicht so sprungfreudig wie die Kollegen aus dem gedrechselten Wald. Natürlich haben auch die Ahead M1CX einen Rebound, aber da der Kern aus Aluminium signifikant biegesteifer ist, hält sich die Material-Melange aus dem Staaten in Ihrem Feder-Eifer merklich zurück. Das freut die Muskulatur, sofern sie arbeiten und/oder trainiert werden möchte. 

Mit Blick auf die Gesundheit noch ein paar Worte zu den geringeren Vibrationen. Laut Ahead vibrieren die Alusticks 50 Prozent weniger als Holzsticks. Das beuge, so Ahead, zwei typischen Trommler-Krankheiten vor: Der Tendinitis, also einer Sehnenscheiden-Entzündung, und dem Karpaltunnel-Syndrom, eine Überreizung von Nerven im Übergang vom Unterarm in die Handunterseite durch zu viel Druck – wer dazu Fragen hat, kann sich an Thomas Lang wenden, dem das Syndrom zwei Operationen eingebracht hat – eine links, eine rechts. (Bei leichten Schmerzen kann diese Übung Abhilfe schaffen.)

Damit gibt es einiges, das für Alu statt Holz sprechen könnte: Die Ahead M1CX spielen sich solide und berechenbar, unterstützen in kontrolliertem Umfang, ermuntern zur Eigenarbeit, unterstützen das Krafttraining und sind unbestechlich in ihrer Dokumentation der eigenen Performance. Sie schonen den Bewegungsapparat und ihre Lackierung lässt sie erfreulich leicht durch die Hände gleitet. Aber…

…was sie in ihrer reduzierten Eigendynamik auch sind, rückt sie manchmal in der Nähe eines Hammers. Das alte Practice-Pad, das ich zwischendurch unterwegs benutzte, begann nämlich nach ein paar Minuten Stick Control langsam zu drehen – es hatte sich von der Schraube seines Ständers los vibriert.

Nachdem das Pad wieder fest gezogen war – und ich meine fest – machte es einige Minuten später einen Satz nach unten. Dieses Mal hatten die definierten Einschläge die obere Stange des Ständers in die untere geschoben. Nachdem auch diese Verschraubung entschieden angezogen war, ließen sich die ausgewählten 24 Stick-Control-Variationen über ein Thema mit R und L störungsfrei durchspielen.

Das Abenteuer mit dem Practice-Pad verweist zugleich auf ein echtes No-Go: Die M1CX sind definitiv kein Tipp für das Spiel am Set. Ihr Gewicht lassen sie all zu selbstvergessen auf die Felle plumpsen, was zwar ohne viel Mühe für gehörig Attack und entsprechende Lautstärke sorgt. Aber der erste beherzte Wirbel über die Toms erforderte die Re-Justage des 10“-Töpfchens, weil seine Halterung nicht erdbebensicher angezogen war.

Selbst Schuld? Vielleicht. Schließlich sind die Ahead M1CX ja auch Marchings-Sticks und nicht solche für das Set. Es sei ihnen daher Absolution gewährt. Und für’s Üben auf dem Practice-Pad sind sie ob ihrer sonstigen Qualitäten definitiv eine Überlegung wert.

 

ProMark Scott Johnson TXXB3 Scojo Hickory Practice Drumsticks

Wenn das Thema Krafttraining heißt, sind auch die ProMark Scott Johnson TXXB3 Scojo Hickory Practice Drumsticks von Format und Gewicht eine mögliche Adresse. Sie sind recht lang, haben einen soliden Durchmesser und besitzen einen Gummikopf. Mit einem Korpus aus Hickory in Vollholz gefertigt liegen sie mit ihrem Gewicht etwa 15 Gramm unterhalb der Vic Firth Ralph Hardimon Lamiatklöppel aus Massachusetts (s.u.).

Der erste Griff signalisiert sofort: Schön hier. Die ScoJos liegen gut in der Hand und sind prima ausbalanciert. Trotz kürzeren Tapers haben sie einen ansehnlichen Rebound und verführen zu Tempoversuchen – was sich schnell als Herausforderung zeigt. Denn die ProMark sind keine Leichtgewichte:

Die Waage springt bei den Sticks auf 94 bzw. 95 Gramm. Allerdings klingen die ScoJos identisch, so dass diese Gewichtsabweichung wohl in den Toleranzen des Haushaltsgeräts zu suchen ist, denn das wiegt maximal auf ein Gramm genau und irgendwo um die 94,5 Gramm wird es nach oben oder unten runden.

Die ProMark Scott Johnson Practicing Sticks haben eine lackierte Oberfläche, die etwas Grip bei wenig Reibungswiderstand bietet. Das ist eine gute Voraussetzung für smoothes Spiel am Pad und lässt es lange mit ihnen aushalten.

Wie die Agner R1 und die Vic Firth Ralph Hardimon haben die ProMark TXXB3 ebenfalls einen Gummikopf, in ihrem Fall ist er blau gefärbt. Das Gummi weist eine ähnliche Härte wie bei den beiden Kollegen auf und hat auf harten Oberflächen bei gedämpftem Attack einen eher verhaltenen Rebound. Auf dem Practice Pad dagegen hopsen die ScoJos gut auf und ab, ohne allerdings die Handgelenke durch zu engagierten Rebound in echte Schwierigkeiten zu reißen.

Da die ProMark Scott Johnson Practicing Sticks identisch klingen, lässt sich klar und sicher ausmachen, wenn eine Hand mogelt oder der Stock nicht da aufkommt, wo es geplant, gewünscht oder gefordert war. Das macht sie zu perfekten Practicing-Partnern, wenn Präzision gefordert und Zeit gegeben ist. Denn für High-Speed-Praciting sind sie wohl für die meisten Trommler zu schwer.

 

Rohema Pad Stick (Hard Maple)

Rohema ist die Abkürzung für Robert Hellinger, Markneukirchen. Das Örtchen Markneukirchen ist einer der Hauptorte des Musikwinkels im Vogtlandkreis. Dort fertigt Rohema schon seit 1888 Drumsticks und – Obacht! – Dirigentenstäbe. Später kamen Rods, Besen und Perscussion-Sticks dazu. Das lässt auf feinwerkliches Geschick und Können schließen.

„Zwei Stunden von allem gelegen“, so der heutige Geschäftsführer Maik Hellinger, herrscht in Marktneukirchen offenbar sehr viel Ruhe, um gute Produkte herzustellen. Zumindest lässt das die Endorser-Liste vermuten, auf der sich beispielsweise Ärzte-Drummer Bela B., Dirk Erchinger, einst Trommler der Jazzkantine, und Onkel, der Schlagwerker von Aligatoah, finden. Und der Praxis-Test?

Die Rohema Pad Sticks machen auf den erste Griff einen tollen Eindruck. Sie sind aus Hard Maple gefertigt und somit nah an Dom Famularos Signature-Übestock, der ebenfalls aus Ahorn gedrechselt wurde. Der nähere Vergleich zeigt, dass die Sticks aus Sachsen denen aus Texas auch sonst ähneln:

Formfaktor, Länge – die Datenblätter der Sticks könnten annähernd verlustfrei untereinander getauscht werden. Lediglich im Durchmesser sind die Deutschen dicker als Dom’s Pad Sticks. Da überrascht es kaum, dass sich die Rohema Pad Sticks auch weitgehend wie die Dom’s verhalten:

Munterer Rebound, der durch die Lackierung noch fixer ist, definiertes Spielverhalten, ein gutes Gewicht, um auch ausdauernd schneller zu spielen. Und ein netter Holzgesang nebst feiner Vibration des Ahorns bei jedem Schlag.

Durch das identische Gewicht des Paares klingen Rohemas Pad Sticks erfreulicher Weise auch gleich. Damit lässt sich schnell erkennen, welche Hand gerade was tut – und vielleicht nicht tun sollte. Die klangliche Sortierung erfolgt bei Rohmea übrigens nicht allein durch Wiegen, sondern auch manuell (was nebenbei belegt, dass das menschliche Ohr ein famoses Sensorium ist).

Gutes Handling, schöner Rebound, identischer Klang, faires Gewicht – die Pad Sticks aus Sachsen sind definitiv gut.

 

Rohema RAC (Hard Maple)

Der Rohema RAC ist ebenfalls ein Stick für das Trommeln in Marching-Bands, genauer in Pipe-Bands. Designt haben ihn die Marktneukirchener gemeinsam mit Allan Craig, der sich seine Meriten unter anderem als Lead Drummer der sehr erfolgreichen Lemon & Clyde Pipe Band aus Glasgow verdient hat.

Der Rohema RAC hat einen eichelförmigen Kopf, dem ein recht langer Taper folgt. Dieser erstreckt sich vom Kopf bis zum optimalen Drehpunkt. Anschließend verjüngt sich der RAC wieder, so dass der dickste Teil des Stocks zugleich dessen Drehpunkt markiert. Der Zweck dieser Gestaltung:

Durch […] das einzigartige Design greift der Spieler die Stöcke automatisch am natürlichen Drehpunkt und kann so ein Maximum an Ton und Volumen erzeugen.

Außerdem bleibe, so Rohema weiter, zwischen dem Drumstick und dem Handgelenk des Trommlers genug Spielraum. Stimmt das?

Tatsächlich schnappe ich mir genau so wie meine vom Trommeln unbeleckte Test-Assistenz die Sticks an ihrem stärksten Bereich. Und der erweist sich – wie versprochen – als der optimale Drehpunkt, was auch der Rebound-Test belegt. Auffällig ist auch sonst noch einiges an diesem Stock:

Der nach hinten dünner werdende Schaft ist für meine Finger leichter zu dirigieren, das Fingerspiel an sich gestaltet sich sehr angenehm. Das kann allerdings auch daran liegen, dass ein schlankeres Heck den Stick leichter in Richtung Kopf fallen lässt. Oder das ein optimaler Drehpunkt eben optimal zum Drehen des Sticks ist. Oder dass der lange Taper einen größeren Rebound erzeugt. Oder alles zusammen. Egal. Hauptsache ist ja, dass es funktioniert.

Was mit Blick auf das Thema Üben auf jeden Fall noch ein paar Worte wert ist: Der Eichelkopf des RAC. Denn er verhält sich anders als die Kugelköpfe der Practice-Sticks. Zwar hat auch die fast original große Eichel über dem Neck einen soliden Rebound, sie klingt aber viel trockener als die kugelrunden Köpfe der Kollegen.

Dafür ist der Stick selber klangfreudiger und mit seinem höheren Pitch sehr klar zu vernehmen. Das kann helfen, die Sauberkeit der Schläge zu hören, da sich die Höhen deutlicher vom Ton des Practice-Pads abheben als die mittiger resonierenden Pad-Performer.

Weil der RAC weniger wiegt und eine Spur kürzer ist, sein Taper aber wesentlich länger, erweist er sich als kleines Rebound-Monster und lässt sich für diese Größe sehr schnell spielen. Das sich verjüngende Heck tut ein übriges dazu, dass sich die Sticks mit den Fingern flink repetieren lassen. Das fördert die Spielfreude und hebt das Erfolgserlebnis, zumal wenn vorab ein wenig mit einem der Schwergewichte mit Signatur von Scott Johnson oder Ralph Hardimon oder den gleichfalls recht gewichtigen weißen Alu-Aheads geübt wurde.

 

Vic Firth SD 1 General (2021)

Ganze 31 Jahre liegen zwischen meinen alten SD 1 General und ihren frisch gedrechselten Zwillingen, die ich in der Hand halte. Maße und Gewicht sind identisch, auch die Form ist absolut die selbe. Optisch zeigen sich Unterschiede in dem geänderten Logo, einer Menge Spielspuren auf den Senioren und deren dunklerer Färbung. Zudem ist der Lack der historischen Wegbegleiter das, was man üblicher Weise als Klarlack bezeichnen würde.

Die Lackierung der neuen, streichholzfrisch leuchtenden Sticks ist anders: matt und vor allem spielbarer. Denn während sich die glänzende Oberfläche der alten Sticks in der Rotation etwas zäh verhält, flutschen die Jünglingen deutlich leichter um den Drehpunkt in der Hand. Tempo aufnehmen und halten ist mit ihnen trotz gleicher Form und Werte eindeutig leichter.

Sonst unterscheiden sich die alten und die neuen SD 1 General kein Stück: Ein mittelschwerer Stock, der sich gut zwischen Finger und Ballen fügt und dessen kurzer Taper für einen eher zurückhaltenden Rebound sorgt. Das macht ihr Handling interessant, denn sie machen Arbeit, weil sie viel mehr mit dem Handgelenk gespielt werden müssen als die wesentlich stärker zurückspringenden Practice- und Marching-Sticks.

Trotzdem macht der „Stock zum Üben auf der Matte“ im Vergleich mit den dedizierten Practice Sticks, die es inzwischen gibt, keinen schlechten Eindruck. Das liegt auch daran, dass der Ahorn mit klarem Ton singt und der kleine Kopf sehr deutlich auf das Practicepad tickt, was dabei hilft, die Sauberkeit der Schlagfolgen zu überwachen.

Aber da ich die Wahl habe, würde ich den SD1 General weniger auf dem Pad als auf dem Set einsetzen, um dort zu üben. Denn sein kleinerer Kopf äußerst sich viel sauberer auf Fellen und Becken, als das die kugelköpfigen Practice-Stick-Kollegen tun. Und deren Kugeln spielen sich im Gegenzug auf dem Practice-Pad doch besser. Sorry, neuer alter Freund. Die Moderne sorgt einfach überall für Arbeitsteilung.

 

Vic Firth SRH2CO Ralph Hardimon „Chop Out“ Practice Stick

Wie lang genau der offizielle Name der Vic Firth SRH2CO Corpmaster Signature Ralph Hardimon Chop Out Practice Sticks (so ungefähr) ist, ließ sich nicht final klären. Sicher ist dagegen: Sie sind gewaltig schwer. Das warf beim ersten Auspacken direkt die Frage auf, ob der graue Tip aus Gummi oder Blei ist. Kleiner Spoiler: Er ist aus Gummi.

Das hohe Gewicht erklärt sich aus dem Holz, vom Hersteller ganz cool Sta Pac und etwas informativer „laminated birch“ benannt. Thomann übersetzt das mit Multiplex, was nur bedingt stimmt. Musik & Technik, der deutsche Vic Firth-Vertrieb, nennt es „verleimtes Birkenschichtholz“. Das dürfte der Wahrheit am nächsten kommen.

Am Ende ist das aber egal, aus welchem Holz der Stick geschnitzt ist, denn sechs Aspekte machen diese Sticks nachhaltig interessant:

  • sie sind sehr dick
  • sie sind sehr schwer
  • sie sind aus Schichtholz gefertigt
  • sie vibrieren merklich weniger als normale Holzsticks
  • sie haben einen Gummikopf
  • sie klingen absolut identisch.

Das hohe Gewicht von 112 Gramm pro Stück lässt vermuten, die Ralph Hardimon seien die perfekten Slo-Mo-Sticks. Darum habe ich den ersten Test am Abend nach ihrer Ankunft bei 50 bpm gestartet, und das war eine gute Entscheidung. Acht Schläge alternierend links und rechts für fünf Minuten sind mit den SRH2CO nahe am Kraftakt, Double-Strokes in 1/8 Noten noch gut machbar, in 1/16-Noten aber schon eine kleine Herausforderung, wenn sie ein paar Minuten gleichmäßig gespielt werden sollen – zumindest für Noch-mal-Anfänger wie mich derzeit.

Der Rebound der Ralph Hardimon ist prima, das Gummi ihres Kopfes federt auch auf dem Gummi des Practice Pad schön zurück und sackt nicht ins physikalische Nichts ab. Das ist sicher ihrem Gewicht geschuldet, das nebenbei Millimeter für Millimeter den Ständer verkürzte, weil sie sein oberes Rohr in das untere trieben – die Verschraubung war auch hier nicht knallfest angezogen.

Das Gewicht der Sticks trainiert wahrnehmbar die Muskulatur, die Trägheit der Masse sichert dafür auch ein Plus an Kontrolle beim Rebound, der sehr verlässlich und berechenbar wird. Nebenbei fördern sie auch die Konzentration, denn Ungenauigkeit in der Handhaltung und Unachtsamkeit im Spiel signalisiert die Muskulatur der Unterarme dank der hohen bewegter Masse unmittelbar.

Die Lackierung der SRH2CO ist angenehm. Sie klebt oder bremst nicht, sondern hilft, den Stick sehr gleichmäßig und kontrolliert zu handhaben. Auffällig ist ferner, dass  der Verbundwerkstoff nicht so stark vibriert wie normales Holz. Gerade bei so hohem Gewicht wären sonst Sehnen und Nerven von Händen und Unterarmen einiger Belastung ausgesetzt. Das fällt weg, vielen Dank.

Eines allerdings halte ich für eine mäßig gute Idee: Die Sticks ohne Pad zu spielen. Denn auch wenn sie einen Kopf aus Gummi haben, ist allein durch ihr Gewicht die Geräuschentwicklung auf zum Beispiel einer Tischplatte deutlich lauter als ein regulärer Stick auf einem Practice-Pad. In dB beträgt die Differenz zwischen den Dom’s Pad Sticks auf dem Practice Pad und den Ralph Hardimon auf dem Rand einer Tischplatte rund 10 dB (70 dB vs. 80 dB im Schnitt) die der Vic Firth-Stick lauter ist.

Und wie verhalten sie sich auf dem Set? Da sind die Sticks definitv nicht zu Hause. Der Gummi-Tip ist zu undifferenziert im Anschlag und die Spanne filigranen Spiels ist auf Grund des hohen Gewichts und des großen Kopfs tendenziell zwischen forte und fortissimo angesiedelt. Falls nicht gerade ein startender Jumbo-Jet akustisch in die Knie zu zwingen ist, macht das wenig Sinn.

Ihr Trainingseffekt zeigt sich dafür schon nach einer Woche in anderer Weise recht deutlich am Set: Die Kraft ist spürbar gesteigert, die Präzision höher und das Spiel ausdauernder, was auf Trommeln und Becken mit den leichten 5A Sticks besonders deutlich wird.

Auffällig auch, dass die Double-Stroke-Rolls am Set schneller und zugleich sauberer geworden sind. Überhaupt ist das Tempo gesteigert, weil die Muskeln die Gewichtsreduktion der Set-Sticks mit Geschwindigkeit kompensieren. Schon allein dafür scheint mir die Investition von rund 50 Euro für ein Paar dieser Sticks lohnend.

 

Nachzügler: S-Drums Ironsticks 

 

Nachdem dieser Test online ging, verwies im Drummer-Forum jemand auf Stahl-Sticks, die als Übungswerkzeuge bei Trommlern in Symphonie-Orchestern Verwendung finden sollen. Daraufhin habe ich mir ein solches Paar besorgt und diese ebenfalls getestet. Der vollständige Test findet sich hier, die Gedanken zu den Sticks habe ich aber auch im Fazit und ihre Daten in der Tabelle dieses Artikels ergänzt. 

 

Fazit

Ich muss zugeben, der Titel „Simply The Best“ war irreführend – DEN besten Stock für’s Üben gibt es nicht. Aber es gibt Charakteristika bei den probierten Sticks, die sie für bestimmte Zwecke besonders geeignet erscheinen lassen. Als da wären?

_ Für bessere Kontrolle

Wer einen Stick mit sehr kontrolliertem Verhalten sucht, ist mit einem typischen Pad-Stick gut bedient. Der große kugelrunde Kopf gewährleistet einen verlässlichen Rebound, der sich sehr gut vorhersagen und beherrschen lässt. Agner oder Rohema nehmen sich hierbei praktisch nichts, unterscheiden sich aber in zwei Punkten: Die Agner sind aus der schwereren Hainbuche gefertigt und bei den Lacken zeigt sich der Rohema etwas flinker. Was den Ausschlag gibt, ist damit persönliche Präferenz – oder das Angebot des lokalen Trommel-Shops. Sollte es allerdings darum gehen, Vibrationen ausschalten zu wollen, ist der Griff zu den Ahead M1CX eine Option. Und wer maximale Präzision anstrebt, sollte sich den Ironsticks von S-Drums anschauen.

_ Für Kraft-Training

Wer seine Muskulatur mit viel Gewicht trainieren möchte, für den  liegt die Qual der Wahl zwischen den Ahead M1CX, den Promark Scott Johnson TBBX3 Scojo Hickory Practice Drumsticks und den Vic Firth SRH2CO Corpsmaster Ralph Hardimon Chop Out Practice Stick. Der Ahead wiegt 88 Gramm das Stück, der ScoJo bringt 95 Gramm pro Stock auf die Waage und der Vic Firth ist sogar noch schwerer: Auf satte 112 Gramm lässt jedes der beiden Exemplare die Anzeige klettern – jeder Stock wiegt also etwas mehr als eine Tafel Schokolade. Das schmeckt nicht jedem. Wichtig ist, die Übungen mit diesen Sticks langsam und kontrolliert auszuführen, sonst tut schnell alles weh. Wem M1CX, TXBB3 und SRH2CO zu schwer sind, kann als Alternative den Agner Pad-stick probieren, der mit seinem Hainbuche-Korpus 72 Gramm wiegt und daher etwas schwerer ist als seine Ahorn-Kollegen. Und soll es unbedingt Ahorn sein, ist der Vic Firth SD1 General eine Idee, weil er einen verhalteneren Rebound hat, was definitiv die Muskulatur arbeiten lässt.

_ Für besseres Handling

Wie ein Stock in der Hand liegt, ist ausnahmslos von der Hand abhängig, daher will ich mich hier gar nicht weit aus dem Fenster lehnen. Anmerken möchte ich nur, dass die Beschichtung von Dom’s Pad Stick einem (Wieder-)Anfänger ein schönes Plus an Sicherheit geben kann, auch wenn sie sich im ersten Moment komisch klebrig anfühlt. Ähnliche Effekte haben die Formgebung des Agner R1 mit seinem konstant dicker werdendem Korpus und die Rohema RAC mit ihrem Scheitelpunkt am Sweet-Spot der Balance. Der Rohema ist zudem sehr federfreundlich, was schnellere Tempi erleichtert. Sehr langsam, aber dafür auch sehr genau sind auch in diesem Fall die Ironsticks von S-Drum.

_ Für Üben auf dem Set

Soll es ein Stock sein, um auf dem Set zu üben, sind die Vic Firth SD 1 General vermutlich die Kandidaten der Wahl. Sie haben auf der einen Seite ausreichend Gewicht, um die Muskulatur zu beschäftigen, liefern mit ihren kleineren Köpfen aber auch einen klareren Pitch auf Becken und Fellen, so dass sich leichter verfolgen lässt, was die Hände in Zuge munteren Gewusels tatsächlich so treiben. Für Power-Play ein möglicher Kandidat ist auch der Agner The Hammer, der sich mit seinem Doppel-Butt kräftig auf den Fellen äußert. Sachkundige könnten nun einwenden wollen, Dom Famularo verwende seine Practice Sticks auch auf dem Set. Und das stimmt. Allerdings ist ihr Klang auf Becken keine wahre Wonne, weshalb ich sie am Schlagzeug nicht so überzeugend finde. Und dann ist sein Stick-Stunt vielleicht auch ein Marketing-Gag!?

_ Für weniger Lautstärke

Wenn das Practice-Pad gerade fehlt oder die Lautstärke generell gesenkt werden soll, ist ein Stick mit Gummikopf eine gute Investition. Zum Beispiel ist der Agner R1 im Gegensatz zu seinem Kollegen, dem Agner Practice-Stick, auf dem Practice-Pad um rund 5 Dezibel leiser, erzeugt also in etwa den halben Schalldruck (was – ein Hoch auf die Psychoakustik – als 3/4 so laut wahrgenommen wird. Aha.) Auch die Promark TXXB3 Scott Johnson Scojo Hickory Practice Sticks und die Vic Firth SRH2CO Corpsmaster Ralph Hardimon Chop Out Practice Sticks haben einen Gummikopf und sind prinzipiell leiser, aber durch ihr hohes Gewicht fällt der Lärmabfall gering aus, besonders auf Tischplatten und anderen harten Oberflächen, die resonieren können. Generell sind Gummiköpfe natürlich auch auf den Practice Pad leiser – und da gehören sie meiner Meinung nach auch hin, weshalb Doppel-Gummi für mich die Kombination der Wahl ist, um leise zu üben.

_ Für Üben unterwegs

Wenn es ein Stock zum Üben unterwegs sein soll, sind  die Vic Firth SD1 General einen Gedanken wert. Sie sind die Leichtgewichte im Testfeld, trotzdem ein bisschen gewichtig, haben einen verhaltenen Rebound und sind recht leise auf dem Practice-Pad. Alternativ könnten auch die Vic Firth SRH2CO einen Gedanken wert sein. Zwar sind sie die schwersten Kandidaten im Feld, aber ihr Gummikopf und ihr Korpus aus Laminat lassen sie auf dem Practice-Pad gleichfalls leise perkussieren. Wer hätte es gedacht? Einen Versucht wert sind zudem die Agner R1 und die ProMark TXXB3, die ebenfalls einen Gummikopf haben, der den Impact auf dem Pad abdämpft. Also: Unterwegs Gummi zu geben kann helfen.

_ Für Viel-Über (und die Hand-Gesundheit)

Wer viel üben will oder muss und dabei seine Hände und Unterarme schonen möchte, findet in den Ahaed M1CX und den Vic Firth SRH2CO zwei mögliche Probanden für den Job. Sie sind beide relativ schwer – Ahead 88 g, VF 112 g – und durch ihre Materialwahl vibrationsärmer. Ahead weist sogar explizit darauf hin und beziffert die Vibrations-Reduktion auf 50 Prozent gegenüber herkömmlichen Sticks. Vic Firth äußerst sich nicht zum Thema, aber auch hier sind die Vibrationen spürbar geringer – geschätzt um etwa ein Drittel.

_ Als Ersatz für Dom’s Pad Stick

Wer einfach bloß einen Ersatz für den von ProMark nicht mehr gefertigten Dom’s Pad Stick sucht, kann zum praktisch identischen Rohema Pad Stick greifen oder – wenn es noch etwas schwerer sein darf – zu den Agner Pad-sticks, dem Drilling aus Weißbuche. Nur Active Grip fehlt den beiden Nachfolgern. Wobei auch das nicht jedem fehlt und sich mit Wachs, Tape oder Sprühgrip aus der Dose selber applizieren lässt.

 

Übersicht (auch zum Download)

Allen, die noch etwas mehr Übersicht haben möchten, habe ich die wesentlichen Daten zu den Sticks in einer Tabelle zusammengefasst. Es sind:

  • Hersteller/Anbieter
  • Name des Sticks
  • Länge
  • Durchmesser
  • Gewicht
  • Material
  • Kopfform
  • das mir vermittelte Spielgefühl 
  • wofür ich den Stick verwenden würde
  • Empfohlener Verkaufspreis (EVP)

Zur Handhabung der Tabelle noch ein Wort. Da sie breiter ist als der Raum der Webseite, hat sie unten einen horizontalen Scrollbalken. Und mit einem Klick auf eine der Titel-Zeilen lässt sich die Tabelle auch neu sortieren, zum Beispiel nach Gewicht oder Preis.

Und noch ein kleiner Trost: Auch wenn mancher EVP beeindruckend aussieht – die Straßenpreise sind häufig günstiger!

 

Tabelle – Übersicht Practice-Sticks

HerstellerModellTypMaterialFinishLänge mmø mmGewicht gKopfformKopfSpielgefühlFür...EVP
AgnerPad-stickPractice StickHainbucheLack42017,171 / 72KugelHolzhoher Rebound, zügig, sicherRebound, Kontrolle, tägliches Üben15,49 €
AgnerR1 Rubber TipMarching StickHainbucheLack41519,167 / 67TropfenGummihoher Rebound, sehr zügig, sicherRebound, Handposition, tägliches Üben31,00 €
AgnerThe HammerMarching StickHickoryLack41514,863 / 63ButtHolzmittlerer Rebound, mäßig zügig, sicherHandgelenk-Kraft, Powerplay am Set11,30 €
AheadM1CX White Marching DrumstickMarching StickAluminium, KunststoffKunststoff43217,688 / 88EichelKunststoffgeringer Rebound, direkt, ausbalanciertschwer, sehr kontrolilert, mäßiger Rebound47,00 €
ProMarkDom's Pad StickPractice StickAhornActiveGrip42017,157 / 59KugelHolzhoher Rebound, ausgewogen, haftend, sicherRebound, Kontrolle, tägliches Übennicht mehr lieferbar
ProMarkScott Johnson TXXB3 SCOJO Practice SticksPractice StickHickoryLack43217,894 / 95TropfenGummischwer, gut kontrollierbar, ausgewogenKrafttraining, langsames präzises Spiel, Kontrolle38,50 €
RohemaPad StickPractice StickAhornLack42017,662 / 62KugelHolzhoher Rebound, ausgewogen, zügig, LACKGEFÜHLRebound, Kontrolle, tägliches Üben13,30 €
RohemaRACMarching StickAhornLack40518,357 / 57EichelHolzhoher Rebound, gute Führung, leichtes FingerspielHandposition, Tempo, Finger16,20 €
S-DrumsIronsticksPractice StickRostfreier Stahl40814,0463/465EichelStahlkaum Rebound, sehr langsamPräzision üben57,00 €
VicFirthSD1 GeneralDrum StickAhornLack41616,157 / 59BallHolzhoher Rebound, schnellÜben am Set14,10 €
VicFirthSRH2CO Corpsmaster Ralph Hardimon Chop Out Practice SticksPractice Stickverleimtes Birkenschichtholz (Sta Pac / Laminated Birch)Lack42917,7112 / 112TropfenGummischwer, kontrollierbar, ausgewogenKrafttraining, langsames präzises Spiel, Kontrolle51,80 €

 

Wer lieber Dokumente in den Händen hält, für den gibt es hier noch einen Download der Practice-Stick-Übersicht als PDF

Viel Erfolg beim erfolgreichen Üben!

 

PS: Simply The Best ist der eines Albums von Tina Turners aus dem Jahr 2009.



Abbildungen: Flamadiddle



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